Wieder mal ist 9. September. Der Tag des alkoholgeschädigten Kindes! Toll.

Im Fernsehen wird der eine oder andere Erstaufklärungsbeitrag laufen, in den Zeitungen wird etwas gedruckt, in den sozialen Medien taucht ein neuer Blog, Erklärfilm oder Betroffenen-Video auf. Die zahlreichen Initiativen posten natürlich was. Alles buhlt um Aufmerksamkeit. Lesen Sie hier weiter.

End­gül­tig erwach­sen – und jetzt?

Es ist schon schwie­rig genug einen von FASD betrof­fe­nen Men­schen durch Kind­heit, Jugend und frü­hes Erwach­se­nen­sta­di­um zu beglei­ten und zu unter­stüt­zen. Ist die­ser Mensch dann aber „end­gül­tig“ erwach­sen, steht nicht nur er, son­dern auch sei­ne Fami­lie vor einem neu­en Problem.

Laut unse­rem Grund­ge­setz und der Char­ta der Ver­ein­ten Natio­nen ist jedem erwach­se­nen Men­schen das Recht zuge­stan­den, ein „eigen­stän­di­ges Leben“ zu füh­ren und an der Gesell­schaft „teil­zu­ha­ben“.

Was aber, wenn jemand genau das nicht kann? Was, wenn die­ser Mensch zu der über­wie­gen­den Zahl von Men­schen mit FASD gehört, die lebens­lang auf Beglei­tung und Unter­stüt­zung ange­wie­sen sind?

Dann stellt die Fami­lie – meis­tens unvor­be­rei­tet – fest, dass sie mit jeder Unter­stüt­zung und Hil­fe die sie ihrem „Kind“ zukom­men las­sen will, an recht­li­che Gren­zen stößt. Es kön­nen kei­ne Anträ­ge mehr im Namen des Kin­des gestellt wer­den, man ist nicht mehr ver­tre­tungs­be­rech­tigt usw. – mit einem Satz: man ist raus!

Im bes­ten Fall ist gericht­lich eine umfang­rei­che gesetz­li­che Betreu­ung ein­ge­rich­tet, im Ide­al­fall hat der gesetz­li­che Betreu­er eine Ahnung von FASD und ist dazu noch inter­es­siert UND hat die not­wen­di­ge Zeit und Res­sour­cen. Letz­te­res ist meis­tens nur gege­ben, wenn einer der Ange­hö­ri­gen die gesetz­li­che Betreu­ung über­tra­gen bekom­men hat.

Lei­der gibt es kei­ner­lei Zah­len, wie vie­le Ange­hö­ri­ge die gesetz­li­che Betreu­ung ihrer erwach­se­nen Kin­der bean­tragt und/oder über­nom­men haben. Auch gibt es dabei etli­che Hür­den zu überwinden.

Unser Pro­jekt „Betreu­ungs­ver­ein FASD adult“ soll da Abhil­fe schaffen.

Der Gesetz­ge­ber prio­ri­siert den ehren­amt­li­chen Betreu­er, zu denen auch aus­drück­lich der Betreu­ungs­ver­ein zählt. Es gibt zahl­rei­che Betreu­ungs­ver­ei­ne die sich auf spe­zi­el­le Bedarfs­grup­pen spe­zia­li­siert haben wie Dro­gen­ab­hän­gi­ge, Demenz­kran­ke, Senio­ren, geis­tig Behin­der­te, auf­fäl­li­ge Jugend­li­che usw.

Einen Betreu­ungs­ver­ein, der sich spe­zi­ell um von FASD betrof­fe­ne Erwach­se­ne küm­mert, scheint es noch nicht zu geben.

Ein sol­cher Betreu­ungs­ver­ein FASD adult könnte

  • Fami­li­en früh­zei­tig die Mög­lich­keit geben, sich mit allen Aspek­ten einer gesetz­li­chen Betreu­ung ver­traut zu machen
  • Fami­li­en­an­ge­hö­ri­ge dabei unter­stüt­zen, die gesetz­li­che Betreu­ung ihrer erwach­sen­den Kin­der zu über­neh­men und durchzuführen
  • Gesetz­li­che Betreu­er zur Ver­fü­gung stel­len, die die Belan­ge von Men­schen mit FASD auch wirk­lich ver­han­deln können
  • Räu­me und Orga­ni­sa­ti­ons­mit­tel zur Ver­fü­gung stellen
  • Rechts­be­ra­tung anbie­ten (z. B. durch einen eige­nen Justiziar)
  • Fort­bil­dung in betreu­ungs­re­le­van­ten The­men anbieten

Fra­gen und Anre­gun­gen zu die­sem Pro­jekt bit­te an