Wieder mal ist 9. September. Der Tag des alkoholgeschädigten Kindes! Toll.

Im Fernsehen wird der eine oder andere Erstaufklärungsbeitrag laufen, in den Zeitungen wird etwas gedruckt, in den sozialen Medien taucht ein neuer Blog, Erklärfilm oder Betroffenen-Video auf. Die zahlreichen Initiativen posten natürlich was. Alles buhlt um Aufmerksamkeit. Lesen Sie hier weiter.

Erklär­fil­me

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Nur weni­ge media­le Bei­trä­ge zu FASD ver­mit­teln ein tie­fe­res Ver­ständ­nis für die all­täg­li­chen Beson­der­hei­ten im Ver­hal­ten und wie man damit umgeht. Wir fin­den, dass Erklär­fil­me ein sehr geeig­ne­tes Medi­um sind, um sol­che Beson­der­hei­ten etwas greif­ba­rer und mit meh­re­ren Sin­nen erfass­bar zu ver­mit­teln und wol­len das für FASD nutzen.

Beson­de­rer Fokus liegt dabei:

  • Auf dem Ver­ste­hen. Was ist das über­haupt, die­ses FASD?
  • Durch was unter­schei­det es sich von ande­ren Ein­schrän­kun­gen, oder wird damit verwechselt?
  • Ja, und wie geht man eigent­lich damit um? Gibt es gute Tipps?

Neben den visu­el­len Frei­hei­ten – man sieht es schon an den Bei­spie­len aus den Berei­chen Lege­trick, 2D- und 3D-Ani­ma­ti­on – bie­tet eine Umset­zung mit den Mit­teln der Ani­ma­ti­on eine gro­ße Frei­heit mit Fak­ten umzu­ge­hen, ohne dabei jemand bloß­zu­stel­len, zu beschä­men oder abzu­schre­cken. Nicht zuletzt ist damit auch eine Por­ti­on Humor mög­lich, ohne den Ernst des The­mas zu veralbern.

Tipps zum Umgang mit FASD gibt es weit weni­ger, als Auf­klä­rung, was es ist. Dabei wird erst eine Ver­än­de­rung im all­täg­li­chen Umgang eine Ver­bes­se­rung der Lebens­si­tua­ti­on für alle bewir­ken. Des­halb wer­den wir die typi­schen, für bei­na­he alle Men­schen mit FASD zutref­fen­den Pro­ble­me zum The­ma eines jewei­li­gen Erklär­films machen.

Dazu eini­ge Beispiele.

Sicher ist, dass nichts sicher ist.

Für Men­schen mit FASD sind Abbrü­che aller Art ganz nor­mal. Das hat vie­le Grün­de und oft dra­ma­ti­sche Fol­gen für Bezie­hun­gen, Maß­nah­men, Arbeits­ver­hält­nis­se und so eini­ges mehr.

Es ist für alle Betei­lig­ten belas­tend und auf Dau­er sehr frus­trie­rend. Ver­bes­sern tut es nichts. Außer­dem hat man schon wie­der jemand ent­täuscht. Die­se offe­ne oder unter­schwel­li­ge, kaum ver­meid­ba­re Reak­ti­on, neh­men die Betrof­fe­nen natür­lich wahr und sol­che Gefüh­le mag nie­mand und sie machen alles noch schwie­ri­ger. Es ent­steht ein Teu­fels­kreis mit oft lebens­prä­gen­den Folgen.

Das muss nicht sein. Wir wol­len etwas Licht in die Ursa­chen sol­cher Abbrü­che brin­gen und ihnen etwas von der Dra­ma­tik neh­men. Es gibt Mög­lich­kei­ten damit bes­ser umzugehen.

Wenn Car­toon-Figu­ren das unge­schminkt vor­füh­ren, dabei sogar maß­los über­trei­ben, ver­steht man das Pro­blem trotz­dem sehr gut und kann sogar min­des­tens dar­über schmun­zeln, sonst hät­ten sie ihren Job nicht gemacht.

Wir fin­den das weit sym­pa­thi­scher als tro­cke­ne Belehrungen.

Erken­ne dei­ne Engel

Es ist nun mal so, dass die aller­meis­ten Men­schen mit FASD mit gewis­sen Unter­stüt­zun­gen bes­ser leben wür­den, als ohne. Bei Kin­dern und Jugend­li­chen ist es nor­mal, dass Erwach­se­ne ihnen bei allem Mög­li­chen hel­fen. Das als Erwach­se­ner mit FASD noch zuzu­las­sen, ist gar nicht so ein­fach. Wer will schon stän­dig beglei­tet, kon­trol­liert oder doch irgend­wie bevor­mun­det wer­den, ganz egal, ob das offi­zi­ell alles abge­schafft wur­de. Es fühlt sich oft ein­fach so an.

Wir haben erfah­ren und glau­ben dar­an, dass Men­schen mit FASD und ähn­li­chen Ein­schrän­kun­gen viel selbst­stän­di­ger und selbst­be­stimm­ter leben kön­nen, wenn die jewei­li­gen Beglei­tun­gen und kon­kre­ten Unter­stüt­zun­gen ihren Bedürf­nis­sen und Wün­schen ent­spre­chend aus­fal­len, oder sie die Erfah­rung von Schutz und Sicher­heit machen.

Cartoonzeichnung als Entwurf für FASD Erklärfilm

Man stel­le sich eine Car­toon-Figur vor, die unbe­darft ihres Weges geht und dabei auf aller­lei Hin­der­nis­se stößt. Wie bei Super-Mario oder ähn­li­chen Spie­le-Hel­den braucht es irgend­was, um die­se Hin­der­nis­se zu über­win­den. Hier ist es auch schon mal die eine oder ande­re hel­fen­de Hand, eine beson­de­re Kraft oder Effekt, der das bewirkt. So wie man sich einen Schutz­en­gel vor­stellt. So kann unse­re Car­toon-Figur immer wei­ter ihren Weg ver­fol­gen. Am Ende des Wegs geben sich die Schutz­en­gel zu erken­nen. Es sind alles Men­schen aus einer erwach­se­nen Lebens­welt: ein Ange­hö­ri­ger, eine Sach­be­ar­bei­te­rin vom Amt, ein Arbeit­ge­ber, ein Freund oder Freun­din, ein Kol­le­ge, ein Arzt, eine Betreue­rin usw.

Wir wol­len durch unse­re Dar­stel­lung die­sen all­täg­li­chen Unter­stüt­zun­gen ihre Bedro­hung für die eige­ne Wür­de und Selbst­be­stim­mung neh­men, sodass die Betrof­fe­nen sie ohne mul­mi­ges Gefühl anneh­men können.

Man muss das Eisen schmie­den, solan­ge es kalt ist

Was soll das denn hei­ßen? Nun, vor Anfor­de­run­gen oder gar kom­ple­xe­re Auf­ga­ben gestellt, dreht ein Mensch mit FASD ger­ne schon mal „heiß“ und kann das auch nicht gut kon­trol­lie­ren. Das ist in den wenigs­ten Fäl­len per­sön­lich gemeint, son­dern ihr Aus­druck von Über­for­de­rung. Aber wer kann schon wäh­rend eines Wut­an­falls rich­tig den­ken? Genau, nie­mand. Also muss man erst mal wie­der „kalt“ wer­den, um über­haupt etwas auf die Rei­he zu bekommen.

Car­toon-Figu­ren tau­gen aus­ge­zeich­net zur Dar­stel­lung von Wut­an­fäl­len. Man ver­liert vor allem sei­ne Sym­pa­thie nicht für sie, im Gegen­teil. Man kann auch den Anteil, den die jewei­li­ge Situa­ti­on oder das Gegen­über, sozu­sa­gen der Aus­lö­ser, dar­an hat­te, gut darstellen.

Wir wol­len für über­for­dern­de Situa­tio­nen oder Ver­hal­tens­wei­sen den Blick schär­fen, und das ist der gan­ze Trick, um mit den klei­nen und gro­ßen täg­li­chen Durch­dre­hern bes­ser klarzukommen.

Ein ande­rer Blick auf Lügen

Bei dem, was einem Men­schen mit FASD alles pas­siert, weil er oder sie wie­der etwas ver­ges­sen, angeb­lich falsch ein­ge­schätzt oder nicht rich­tig ver­stan­den hat, muss man doch sei­ne Ehre ver­tei­di­gen, sei­ne Ängs­te im Griff behal­ten oder die­se dau­ern­den Schuld­un­ter­stel­lun­gen irgend­wie abweh­ren dür­fen! Dafür kann man doch schon mal was erfin­den, ver­dammt nach mal. Oder sich ein­bil­den, oder gleich direkt rich­tig dar­an glau­ben! Damit geht´s den ande­ren doch auch bes­ser. Ich nehm´ doch nur dar­auf Rück­sicht, was die alle von mir wol­len. So´n Mist aber auch, dass das immer wie­der Stress gibt, weil ich angeb­lich gelo­gen habe. Echt jetzt, das ist doch erniedrigend!

So muss man sich die Mischung aus tat­säch­li­chen kogni­ti­ven Defi­zi­ten, sen­si­bels­ter Wahr­neh­mung sowohl für die Wün­sche ande­rer als auch die eige­ne Wür­de vor­stel­len, durch­setzt von Scham und eigent­lich ver­zwei­felt, weil einem nix bes­se­res einfällt.

Um sowas dar­zu­stel­len, dafür sind Car­toon­fi­gu­ren qua­si erfun­den wor­den. Man den­ke an die tau­send Gefüh­le, den der qua­dra­ti­sche Kas­ten von Spon­geB­obs Kopf mit ein paar Stri­chen aus­drü­cken kann.

Wie wol­len ver­mit­teln, mal den Ball flach zu hal­ten mit sei­nen erlern­ten Refle­xen auf sowas Mie­ses wie Lügen. Wenn man ver­stan­den hat, wozu sie die­nen, ist das kein Frei­schein, aber echt jetzt, auch kein mora­li­scher Weltuntergang.

Diens­tag ist nicht Don­ners­tag, aber jeden Tag ist Mittwoch

Das klingt irgend­wie ver­wirrt, aber ist eigent­lich ganz ein­fach. Für Men­schen mit FASD sind Gewohn­hei­ten und ver­läss­li­che Struk­tu­ren sehr wich­tig. Am bes­ten es ver­än­dert sich nicht all­zu viel, oder zu schnell, oder sogar unvor­be­rei­tet. Das bringt einen nur durch­ein­an­der, selbst wenn gera­de Weih­nach­ten sein soll. Soweit von wegen dem Mittwoch.

Ander­seits muss nicht das, was Diens­tag doch so gut geklappt hat, am Don­ners­tag wie­der klap­pen. Das ist auch kei­ne Ver­ar­sche, Faul­heit oder man­geln­de Moti­va­ti­on, son­dern schlicht eine Fol­ge des Gehirn­scha­dens durch Alko­hol: ein­mal Gelern­tes wird wie­der ver­ges­sen bzw. ist nicht immer abruf­bar. Bas­ta, so ist das.

Wenn was dage­gen hilft – denn the­ra­pier­bar oder gar heil­bar ist es lei­der nicht – dann ist es der Umgang damit. Wir wol­len dazu ein paar Tipps und Tricks vorstellen.

Was ist der Catch 22 bei FASD? 

Nicht jeder kennt den Film Catch 22. Aber der Begriff gehört seit­dem bei den etwas Älte­ren zum all­ge­mei­nen Wort­schatz. Modern über­setzt käme die Bezeich­nung ‚Absur­des Dilem­ma‘ dem am nächs­ten. Auf FASD über­tra­gen heißt das: Kann man nach bestimm­ten Hil­fen fra­gen, wür­de das bewei­sen, dass man die­se Hil­fen gar nicht braucht. Fragt man nicht, bekommt man aller­lei Hil­fen, die man nicht kann (oder will).

Klingt wirk­lich absurd, aber auch hier ist es eigent­lich ein­fach. FASD gilt als unsicht­ba­re Behin­de­rung, sie wird dem­nach oft nicht gese­hen. Eine man­geln­de Com­pli­an­ce ist typisch für die­se Behin­de­rung. Das wird fol­ge­rich­tig auch nicht gesehen.

Men­schen mit FASD haben oft ein Pro­blem mit ihrer soge­nann­ten Com­pli­an­ce – schon wie­der ein Fremd­wort, am bes­ten über­setzt mit Zustim­mung oder Ein­sicht. Das heißt, wenn man schon Hil­fe benö­tigt, soll­te man das wenigs­tens ein­se­hen, sie sich holen kom­men und brav mit­ma­chen, sonst hat man halt Pech gehabt. Die gesam­te Hel­fer-Sze­ne, vor­der­grün­dig auch die Geset­zes­la­ge, ist dar­auf geeicht, und jeder kennt ein paar Rede­wen­dun­gen oder Volks­weis­hei­ten, die einem die Gewiss­heit dazu geben: Wer nicht will der hat schon – Jeder ist sei­nes Glü­ckes Schmied – Man kann kei­nem hel­fen, der sich nicht hel­fen las­sen will – Wer nimmt, muss auch was geben… usw.

Das Fata­le dar­an ist: dass, selbst wenn sich die­se Grund­sät­ze als wenig bis gar nicht als hilf­reich erwei­sen und die Betrof­fe­nen damit im Regen ste­hen blei­ben, tut man sich mit dem Umden­ken schwer.

Die­ses Dilem­ma wird auch mit Car­toon-Figu­ren nicht ein­fach dar­zu­stel­len sein, aber wer sagt denn, dass man sol­chen Fäl­len nicht auch zu Mit­teln grei­fen kann, die jeder Doku­men­tar­film benut­zen würde.

Entwurf FASD Erklärfilme 3D Cartoon


Lege­trick (obers­tes Bild) – Design: Ceci­le Noldus
2D (mitt­le­res Bild) – Design: Shane Cooney
3D (Unters­tes Bild) – Design: Robert Schlunze