Wieder mal ist 9. September. Der Tag des alkoholgeschädigten Kindes! Toll.

Im Fernsehen wird der eine oder andere Erstaufklärungsbeitrag laufen, in den Zeitungen wird etwas gedruckt, in den sozialen Medien taucht ein neuer Blog, Erklärfilm oder Betroffenen-Video auf. Die zahlreichen Initiativen posten natürlich was. Alles buhlt um Aufmerksamkeit. Lesen Sie hier weiter.

Sozia­le Arbeit bei Erwach­se­nen mit FASD

Was macht man mit jemand, der in nicht sel­te­nen Fäl­len eine 24/7 Betreu­ung bräuch­te, aber selbst kei­ne will. Außer­dem sind Hil­fen im sozia­len Bereich ein Ange­bot, das nie­mand auf­ge­zwun­gen wer­den kann. Sie unter­lie­gen dem Recht auf Selbst­be­stim­mung, das in unse­rer Gesell­schaft zu Recht einen hohen Schutz genießt.

Es schließt sogar die Frei­heit mit ein, sich bis zum Grad der mas­si­ven Selbst- oder Fremd­ge­fähr­dung selbst scha­den zu dür­fen. Ange­sichts der häu­fi­gen sozia­len Ver­wahr­lo­sung von Men­schen mit FASD drän­gen Ange­hö­ri­ge oft auf einen dif­fe­ren­zier­te­ren Umgang. Aber kri­ti­sche Reflek­tio­nen zum The­ma Selbst­be­stim­mung sind nahe­zu tabu. Ihnen haf­tet der Ver­dacht von Mani­pu­la­ti­on, Domi­nanz, rück­wärts­ge­wand­ter Gesin­nung und ähn­li­ches mehr an. Kein Ange­hö­ri­ger, der in Beglei­tung eines jun­gen Erwach­se­nen nicht schon mal den Tipp bekom­men hät­te, doch end­lich mal los­zu­las­sen, sonst wür­de das mit der Ver­selbst­stän­di­gung nix.

Dass jemand mit FASD qua Defi­ni­ti­on der Behin­de­rung, meist ent­ge­gen äußer­li­cher Wahr­neh­mung, und bei weit­ge­hend nor­ma­ler Intel­li­genz, sowas wie Krank­heits­ein­sicht – auch Com­pli­an­ce genannt – nicht kann, wird nicht gese­hen. Der Wider­spruch oder die juris­ti­sche Lücke zwi­schen einer unbe­ding­ten Selbst­be­stim­mung und einem ver­brief­ten Recht auf Teil­ha­be fällt dadurch nicht auf. Dabei steht weder in den Ziel­for­mu­lie­run­gen der Inklu­si­on, noch in deren juris­ti­schem Regel­werk, dem Bun­des­teil­ha­be­ge­setz (BTHG) irgend­wo, dass Teil­ha­be­an­sprü­che wegen man­geln­der Com­pli­an­ce dann eben aus­fal­len. Es wird viel­mehr dazu auf­ge­ru­fen, sich etwas ein­fal­len zu lassen.

Genau das ist die Her­aus­for­de­rung, zu der wir hier ermu­ti­gen wollen.